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Avatar von Axel Breuer

Ich habe erstmals einen Substack-Text nicht nur konsumiert, sondern an ihm, mit ihm gearbeitet. Hab ihn mir in mein Obsidian-Vault gelegt und ihn für mich kommentiert. Weil er so vieles enthält, was sich mit meinem Denken deckt.

Jetzt könnte ich noch soviel schreiben, wo diese Deckungsgleichheit, im Denken wie im Tun überall zu finden ist, aber das wäre Blödsinn.

Mir geht allerdings ein Gedanke nicht aus dem Kopf. Du endest im Positiven, willst deine Studenten über die KI-Fachkompetenzschwelle heben. Forderst sie praktisch überall ein. Zumindest in der Lehre.

Da bin ich bei Dir! Ja, diese Schwelle ist existent und die Überwindung absolute Notwendigkeit, um mit KI zu arbeiten.

Aber kommen wir damit nicht in ein Privilegierungs-Problem? Was ist mit der breiten Masse, die, deren Fähigkeiten beschränkt sind, sich über diese Schwelle zu bewegen oder bewegt zu werden?

Bildung wäre die Antwort. Dein Curriculum zeigt, dass es geht. Aber skaliert das? Für jeden René, den du ausbildest, gibt es hundert andere, die den Output nehmen wie er kommt – und nicht merken, was fehlt.

Avatar von Marc Frey

Ich kann das sehr gut nachvollziehen, was du da beschreibst. Und bin wieder einmal froh, dass ich schon lange aus dem Alter raus bin, in dem ich mich mit "Einstiegsjobs" rumschlagen muss (was nicht heisst, dass ich nicht auch heute noch täglich neu dazulerne).

Aber gerade im Kontext von KI sehe ich immer wieder die Vorzüge der Gnade der frühen Geburt. In den 80er Jahren habe ich das Handwerk des Journalismus erlernt. Bei der Frankfurter Rundschau. Von der Pike auf, wie man so sagt. Ortsbeiräte, Kaninchenzüchtervereine, Kleinstdemos mit 15 Teilnehmern, Polizeireporter. Internet und Google gab's damals nicht. Handies oder gar iPhones auch nicht. Recherche war mühsame Kleinstarbeit. Durch die Gegend laufen, Menschen fragen, Akten lesen, telefonieren.

Heute habe ich für viele Aufgaben KI und nutze sie auch. Die Ochsentour von damals hat mir aber eine wichtige Fähigkeit vermittelt: ich weiß, welche Fragen ich der KI stellen muss, wie der Rechercheplan und das Konzept aussieht, mit der ich sie füttere. Dann bin ich in der Lage das Ergebnis zu beurteilen, nachzuschärfen, exakt das, was du beschreibst. Ich bin quasi zum Chefredakteur mutiert, der ein Heer von Helfern zur Seite hat.

Hätte ich es aber nicht erst auf die "harte Tour" gelernt, könnte ich diese Rolle vermutlich nicht ausfüllen. Und das wäre ein Problem, was uns den Hinweis gibt, dass wir Bildung neu denken müssen, andere Schwerpunkte brauchen und vieles vielleicht auch in einem früheren Abschnitt unseres Lebens legen müssen. Kritisches Denken fördern und vieles mehr.

Für die jungen Menschen sehe ich noch eine andere Herausforderung und die kommt direkt aus der Wirtschaft und trägt das Etikett "good enough": KI verschiebt auch den Bezugsrahmen. Unternehmen wollen Ergebnisse heute schneller und mehr davon. Das kann doch auch die KI machen, heisst es dann (ich sehe die Ratiopharm-Zwillinge gerade vor mir...). Das erhöht den Perfomance-Druck, die Schlagzahl und die Berufsanfänger stehen einer Konkurrenz gegenüber, die auf direktem Weg nicht zu schlagen ist. Aus dem Software-Entwickler muss daher der Software-Architekt werden, aus dem Musiker der Dirigent. Das Zusammenspiel der Kräfte muss geübt und perfektioniert werden.

Das wird eine Herausforderung. Und es wird nicht leicht. Aber ich glaube mittlerweile es ist alternativlos, wenn junge Menschen beim Berufseinstieg nicht nur das Schlußlicht sehen wollen.

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