"Kannst du mir ein Beispiel für einen guten Prompt geben?" Diese Frage höre ich immer wieder in meinen Lehrveranstaltungen. Die Nachfrage ist verständlich, denn gute Beispiele inspirieren und zeigen, was möglich ist. Aus dieser wiederkehrenden Nachfrage entstand die Idee, eine strukturierte Sammlung von Prompts für das wissenschaftliche Arbeiten zu erstellen.
Der Bedarf an praktischen Beispielen ist mir besonders bewusst geworden, als ich beobachtete, dass Studierende und Lehrende zwar das Potenzial von KI erkennen, aber oft unsicher sind, wie sie diese konkret für ihre wissenschaftliche Arbeit nutzen können. Die richtigen Prompts können hier als Brücke dienen - von der theoretischen Möglichkeit zur praktischen Anwendung.
Von spezialisierten Tools zu alltagstauglichen Prompts
In der Vergangenheit habe ich bereits eine Sammlung von spezialisierten KI-Tools für das wissenschaftliche Arbeiten in einem Padlet zusammengestellt, das sich großer Beliebtheit erfreut. Diese spezialisierten Werkzeuge sind für viele Arbeitsschritte im wissenschaftlichen Arbeiten nützlich, da sie Funktionen bieten, die mit großen generativen KI-Modellen nicht oder nur schwer zu realisieren sind.
Neben diesen spezialisierten KI-Tools bieten aber auch die großen generativen KI-Modelle wie ChatGPT, Claude oder Gemini ausgezeichnete Möglichkeiten zur Unterstützung des wissenschaftlichen Arbeitens. Entscheidend ist die richtige Anwendung - und genau hier kommen die Prompts ins Spiel. Sie sind sozusagen der Schlüssel zur effektiven Nutzung dieser mächtigen Werkzeuge.
Eine praxiserprobte Sammlung entsteht
Die nun vorliegende Promptsammlung in Form eines Padlets deckt die wesentlichen Schritte des wissenschaftlichen Arbeitens ab: von der Themenfindung über die Identifikation von Forschungslücken, die Formulierung von Forschungsfragen und Hypothesen bis hin zur Literaturrecherche und dem eigentlichen Schreibprozess. Auch die Schlussphase mit Textkorrektur, Abstract und Zusammenfassung wird durch entsprechende Prompts unterstützt.
Was diese Sammlung besonders wertvoll macht, ist ihre intensive Erprobung in der Praxis. Meine Studierenden im berufsbegleitenden Masterstudiengang E-Learning und Wissensmanagement haben die Prompts im Rahmen ihres Masterarbeitsseminars getestet und mit wertvollen Kommentaren ergänzt. Besonders beeindruckt hat mich, wie kreativ sie die Prompts zur Entwicklung ihres Themas und zur Verbesserung ihrer Textstruktur genutzt haben. Beliebt bei den Studierenden waren z.B. Prompts zum Erstellen von Übergängen zwischen Absätzen und zur Verbesserung des roten Fadens innerhalb eines Absatzes.
Kurz und effektiv statt "Boomer Prompts"
Die Formulierung von Prompts entwickelt sich derzeit sehr dynamisch. Während bisher oft umfangreiche "Mega-Prompts" empfohlen wurden, rät ChatGPT in einer aktuellen Stellungnahme von diesen - scherzhaft als "Boomer Prompts" bezeichneten - detaillierten Anweisungen ab. Die Zukunft gehört kürzeren, natürlicheren Prompts, die eher einem Dialog als einer technischen Spezifikation ähneln.
Die in meiner Sammlung vorgestellten Prompts entsprechen bereits diesem neuen Ansatz. Sie sind bewusst kurz und prägnant gehalten, was sie nicht nur benutzerfreundlicher macht, sondern auch ihre Kompatibilität mit zukünftigen KI-Modellen erhöht. In unseren Tests mit verschiedenen KI-Modellen wie ChatGPT, Claude und Gemini haben sich diese kurzen Prompts als besonders effektiv erwiesen.
Ein lebendiges Werkzeug für die wissenschaftliche Praxis
Die Prompt-Sammlung ist als Padlet organisiert und unter folgendem Link zugänglich: https://padlet.com/innovative_lehre/prompts-f-r-wissenschaftliches-arbeiten-8aim1m1ppxxl8vn2. Sie ist das Ergebnis vieler praktischer Erfahrungen und kontinuierlicher Verbesserungen. Die zahlreichen Kommentare der Nutzerinnen und Nutzer belegen ihre Wirksamkeit und bieten zusätzliche Perspektiven für den Einsatz der Prompts.
Die Sammlung versteht sich nicht als statisches, sondern als lebendiges Instrument, das weiterentwickelt und an neue Anforderungen angepasst wird. Die Kommentarfunktion des Padlets ermöglicht einen kontinuierlichen Austausch von Erfahrungen und Best Practices. Ich lade alle Interessierten ein, die Prompts zu nutzen, zu testen und mit ihren Erfahrungen zur Weiterentwicklung beizutragen. Denn gerade im Bereich des KI-unterstützten wissenschaftlichen Arbeitens lernen wir am meisten durch den gemeinsamen Austausch und die geteilten Erfahrungen aus der Praxis.
Meine LinkedIn Beiträge
Die folgenden LinkedIn-Beiträge habe ich seit dem letzten Newsletter veröffentlicht und sind auch ohne LinkedIn-Mitgliedschaft frei zugänglich:
KI und kritisches Denken: Eine systematische Analyse
Fördert oder behindert ChatGPT das eigenständige Denken von Lernenden? Eine Metaanalyse von Melisa et al. (2025) im Educational Process Journal untersucht systematisch die Auswirkungen von ChatGPT auf das kritische Denken von Studierenden.
KI-Integration in Hochschulen: Das CRAFT Framework
Wie können wir KI erfolgreich in Bildungseinrichtungen integrieren? Die Integration von KI stellt uns vor grundlegende Fragen in der Lehre, bei Prüfungen und in der Forschung. Das neue CRAFT Framework für Hochschulen (Liu & Bates, 2025) bietet einen fundierten und gleichzeitig praxisorientierten Ansatz, der genau diese Herausforderungen adressiert.
Master E-Learning Praxisprojekte
Wie sieht digitale Bildung in der Praxis aus? Unsere Master-Studierenden haben praxisnahe E-Learning-Projekte entwickelt – von KI-gestützten Lernpfaden für Unternehmen bis zu Gamification für die Ausbildung von Fluglots:innen. Inspiration für alle, die auf der Suche nach modernen Lehrmethoden sind.
Danke für diese so wertvollen und zukunftsweisenden Beiträge. Ich werde mich mit großem Lerngenuss mal durcharbeiten und selbst experimentieren ... und warte mit großer Vorfreude auf die nächste Inspiration 🙏🏼